angeloi

 

Werdegang einer Figur in Kunststein und Mosaik

Es beginnt mit der Idee und einem Modell aus Ton.


Schon in diesem Stadium sollte man die Machbarkeit eines Gusses in Beton beachten. Z.B. zu dünne Stellen sollte man vermeiden.

Es wird bestimmt wie gross der Guss werden soll und welcher Vergrösserungsfaktor sich daraus ergibt. es ist von Vorteil eine leicht zu berechnenden Faktor zu wählen. In diesem Fall war es sehr einfach, nämlich 1:2, so konnte ich die Masse am Modell einfach verdoppeln und übertragen.


Als erstes wird mit Holzlatten ein Gerüst erstellt. Man sollte die Aussenkanten mindestens 2-3cm kleiner anlegen, damit noch genug Platz für den Tonaufbau bleibt.


Ein Drahtgitter wird auf das Holz genagelt, tackern geht noch besser und gibt schon grob die Form der Figur wieder. Die Maschen sollten möglichst klein sein, damit danach der Ton gut hält und nicht gleich durch die Maschen fällt.

Wenn möglich sollte man 2cm dicke Tonplatten um den Draht wickeln. Bei dieser Arbeit mit Ton muss man nicht wie üblich darauf achten ob man Luft einarbeitet. Dieser Ton wird später wieder abgebaut und kann immer wieder verwendet werden.

Hat man die grobe Form gegeben, kommt der kreative Moment in dem man die endgültige Form in den Ton bringt.

Nun wird ein Gibs-Negativ hergestellt.


Die Form wird mit dünnen Blächstreifen in verschiedene Teile unterteilt. Der Ton sollte während des ganzen Prozesses feucht gehalten werden. So bekommt man keine Schwund-Risse und kleinere Hinterschneidungen der Form stören das spätere Abtrennen der Gipsteile nicht. In diesem Fall habe ich die Form in drei Teile unterteilt - links rechts und hinten ein Teil.


Zuerst wird eine dünne Schicht gefärbter Gips aufgetragen. Dies erleichtert nach dem Guss die Orientierung. Beim späteren Abschlagen des Gipses weiss man, wenn der farbige Gips kommt, dass man sich nahe am Guss befindet.

Nach einer 2-3cm dicken Schicht normalen Gips sollte man mit Draht den Gips verstärken. Es sollte darauf geachtet werden, dass wenig Hohlräume entstehen. Die endgültige Gipsschicht sollte ca. 7-10cm sein. Man darf die Kräfte, die beim Ausgiessen der Form und dem Vibrieren der Masse nicht unterschätzen. Bei dieser Form kommen nachher 100kg Masse rein die dann beim Vibrieren einen unheimlichen Druck auf die Negativ-Form ausübt. Hier habe ich 75kg Modellgips verspachtelt.


Wie zu sehen ist, habe ich mir oben Säulen aufgebaut, damit ich die Form gut auf den Kopf stellen kann.

Wenn der Gips gut ausgehärtet ist kann man die Blächstreifen wieder freilegen und herausziehen.

Damit die einzelnen Teile der Negativ-Form sich gut lösen muss immer wieder Wasser in die Spalten gegossen werden und vorsichtig die Teile herausdrückten.


Wie schon erwähnt kann der Ton wie auch das Drahtgitter und das Holz wiederverwendet werden. Da sich kleine Gipsteile gern in den Ton hineinmischen, sollte dieser Ton nicht zum Brennen verwendet werden. Wenn sich Gips im Ton befindet, könnte dieser beim brennen die Stücke zum explodieren bringen.


Nach dem Säubern und austrocknen der Formteile könne sie noch ausgebessert werden.


Danach muss man den Gips sehr gut impregnieren. Das heisst, er darf beim Ausgiessen kein Wasser mehr aufsaugen. Dies ist äussert wichtig, da sonst die Giessmasse zu schnell trocknen würde und sich Spannungsrisse bilden könnten. Schlimmstenfalls würde die Masse in der Fachsprache „ausbrennen“ und keine Festigkeit erlangen.


Nun kann die Form wieder (auf dem Kopf) zusammengesetzt werden. Wenn möglich sollte man eine Armierung mit Eisen vornehmen. Das Eisen muss mindestens 2cm vom Rand entfernt sein. Ich empfehle eher 5cm. Ansonsten muss man rostfreien Stahl verwenden. Wenn normales Eisen zu nahe an der Wand steht, würde es rosten und Teile der Form wegsprengen.






Die Spalten der einzelnen Teile müsse nun gut verschlossen werden, damit keine Masse ausfliessen kann. Hier habe ich sie mit Gips geschlossen. Empfehlenswert ist es gleich mit Gipsbandagen zu machen, diese halten den Druck besser aus.

Nun kann die Kunststeinmasse angemacht werden. Vorher sollte man einigermassen das Volumen der Form einschätzen um danach genug Masse zum Eingiessen zu haben. Ich habe es dieses Mal sehr gut eingeschätzt und nur wenig übrig gehabt.


Die Form sollte sehr gut befestigt und mit Gurten gesichert werden. Hier habe ich drei starke Zurrgurte angebracht. Rückblickend würde ich eher fünf Grosse Gurte anbringen...



Die Masse sollte nun mindestens einen Tag trocknen und keinen Vibrationen oder Schlägen ausgesetzt werden, damit eine saubere Kristallisation entstehen kann.

Nun kann mit Hammer und und Meissel der Gips weggeschlagen werden.

Da die Masse noch nicht ihre endgültige Härte erreicht hat muss man sich vorsichtig antasten und gut auf den eingefärbten Gips achten, der die Nähe der Form anzeigt. Der Vorteil einer nicht ganz ausgehärteten Form liegt nachher beim entfernen der Grate und beim Nachschleifen der Oberfläche.

Hier steht die Form bereit zum Nachschleifen. Am besten geht dies mit einer Nass-Schleifmaschine weil diese keinen Staub verursacht. Je nach Masse kann dieser Schleifstaub schädlich sein.


Nun beginnt das ansetzen der Mosaiksteine. Es sollte ein geeigneter Klebemörtel verwendet werden und die Form immer gut angefeuchtet werden. Auch hier gilt, je langsamer die Masse austrocknet desto besser hält sie.


Eine Grundregel beim Mosaiklegen ist: Immer erst die Kanten bestücken und dann die Innenfläche ausfüllen.


Ich habe hier Glasmosaik verwendet und das Gesicht habe ich mit Permut bestückt. Ein blauer Achat diente mir als Herz-Brosche...


Da man meistens nur viereckige Steinchen bekommt und diese beim verlegen immer nach „Badezimmer“ aussehen, habe ich sie zu Dreiecken gespalten. Hierzu gibt es spezielle Zangen mit denen dies gut gelingt.


Zum Schluss werden noch die Fugen gefüllt. Man kann die Fugenmasse einfärben oder danach noch bemalen. Das Bemalen hat den Vorteil, dass man viel genauer die Farbe den Kanten entlang zeichnen kann. Zu empfehlen ist eine Silikatfarbe die auch jahrelang draussen stand hält.


Haben Sie noch Fragen betreffend das Erstellen einer solchen Figur? Kontaktieren Sie mich bitte...

Impressionen beim montieren der Figur am Skulpturenweg in Trun (Gr)


Mein Neffe hat mich begleitet und Leo Demund, der Initiand dieses Skulpturenpfades hat das nötige schwere Gerät organisiert. Die Figur hat ein Gewicht von 110kg


Angeloi steht nun mindestens für ein Jahr an seinem Platz und würde sich über einen Besuch freuen. Nähere Auskünfte über diesen Skulpturenpfad am Rein finden sie unter folgenden Link.


Sollten Sie Interesse haben, dem Angeloi nach einem Jahr ein neues Zuhause zu geben, würde ich mich sehr freuen...